Grüner Strom

Batterie statt Kraftwerk

Von Arina Trofimova · 2015

Der Anteil grüner Energien am gesamten Strommix steigt – und mit ihm auch das Ökostromparadoxon. Denn während der Norden Deutschlands seine Energie verschenkt, muss der Süden zukaufen. Helfen könnten innovative Speicher.

 Eine Sonnenblume. Auch aus dieser Pflanze wird Grüner Strom gewonnen.

Im vergangenen Jahr wurden 25,8 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen gewonnen, ermittelte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW. Damit überholten Sonne, Wind und Co. zusammen erstmals die Braunkohle als Energieträger mit dem höchsten Anteil am deutschen Strommix. Der Anteil der grünen Energiequellen am Bruttostromverbrauch liegt sogar bei 27,3 Prozent, denn Deutschland hat im vergangenen Jahr erhebliche Mengen Strom exportiert und dies überproportional aus nichtregenerativen Quellen.

Kurioses Ökostromparadoxon

Erneuerbare Energien, also Bioenergie, Erdwärme, Wasserkraft, Meeresenergie, Sonnenenergie und Windenergie, versprechen Nachhaltigkeit. Doch ihr großer Nachteil ist, dass sie nicht unbedingt nach Bedarf, sondern nach jeweiligen Wetterlage liefern. Um die Stabilität des Stromnetzes während einer „dunklen Flaute“ nicht zu gefährden und die notwendige Netzfrequenz zu garantieren, werden konventionelle Kraftwerke zugeschaltet, welche abhängig von der eingespeisten Menge der Wind- und Photovoltaik­energie ergänzend Strom ins Netz liefern. Problematisch ist aber auch ein „heller Sturm“. In diesem Fall muss im Stromnetz dafür gesorgt werden, dass genügend Abnehmer für die überschüssige Energie vorhanden sind oder es müssen Kraftwerke vom Netz genommen werden. In Deutschland kann es in solchen Spitzenzeiten zu einem kuriosen Ökostromparadoxon kommen – nämlich dann, wenn Österreich Energie zuliefern muss, damit in Bayern nicht die Lichter ausgehen, während Schleswig-Holstein nicht weiß, wo hin mit seinem Strom. Überlastete Netze sorgen somit auch für Spannungen zwischen Deutschland und seinen europäischen Nachbarn. Vor allem die Nord-Süd-Transitländer Polen und Tschechien sowie der Windkonkurrent Dänemark sind sehr verärgert über die Konsequenzen des innerdeutschen Vernetzungsdebakels. Traditionell wurde der Strom in Deutschland am selben Ort erzeugt und verbraucht. Mit der Energiewende ändert sich das aber. In Zukunft braucht es neue Stromtrassen, um den windreichen Norden mit dem energiehungrigen Süden zu verbinden. Doch der stockende Netzausbau gilt als Flaschenhals der Energiewende, und der Politik bleibt nicht viel Zeit, um die Sorgen der Anwohner mit den Interessen der restlichen Gesellschaft in Einklang zu bringen.

Grünen Strom speichern

Abhilfe könnten moderne Speichertechnologien schaffen: „Wenn man ein Gigawatt Batterieleistung in das deutsche Netz bauen würde, könnte man etwa zehn Gigawatt der installierten Must-Run-Kapazitäten zurückfahren“, hat etwa Clemens Triebel, einer der Gründer und Mitinhaber des Berliner Unternehmens Younicos erklärt. Must-Run-Kraftwerke seien alle Kraftwerke, die als Netzstützen nicht beliebig weit herunter geregelt werden können. Auch Stephan Kohler, ehemaliger Geschäftsführer der Deutsche Energie Agentur, hat erklärt, dass die neuen Energiequellen Wind und Sonne dringend mit dem Ausbau von Speichern verbunden werden müssen, um Flexibilität zu ermöglichen und die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende nicht zu gefährden. Nur so könne der grüne Strom langfristig haltbar gemacht werden.

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