Heizkosten sparen

Komplexe Wärme

Von Michael Gneuss · 2014

Das Thema Wärme ist in den vergangenen Jahren komplexer geworden. Einst wurde eine Gas- oder Ölheizung im Keller aufgestellt, für Brennstoff gesorgt und in den Wohnungen das Thermostat aufgedreht. Heute spielen bei einer optimierten Wärmeversorgung weit mehr Faktoren eine Rolle: Heiztechnik, Dämmung, Lüftung, aber auch das Nutzerverhalten und smarte Technologien beeinflussen den Wärmeverbrauch – und damit auch die Kosten.

 Warme Wollsocken sind im Winter eine Wohltat. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch Heizkosten sparen

Rund ein Fünftel des deutschen Endenergieverbrauchs wurde im vergangenen Jahr für die Beheizung privater Häuser und Wohnungen verwendet. Pro Quadratmeter Wohnfläche ist der Heizenergiebedarf in Mehrfamilienhäusern damit aber in den vergangenen zehn Jahren um knapp 16 Prozent gesunken. Der Gesamtenergieverbrauch ging im gleichen Zeitraum hingegen nur um 9,7 Prozent zurück. Der Grund: Die Gesamtwohnfläche ist in dieser Zeit größer geworden. Das geht aus dem „Wärmemonitor Deutschland 2013“ hervor, einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), für die über drei Millionen anonymisierte Daten aus Heizkostenabrechnungen und Energieausweisen verarbeitet wurden.

Doch trotz des geringeren Energieverbrauchs können sich Hausbesitzer und Mieter nicht über gesunkene Heizkosten freuen, denn: Gestiegene Energiepreise haben die Einsparerfolge energetischer Sanierungsmaßnahmen, die in den vergangenen zehn Jahren im Gebäudebestand erzielt wurden, klar überkompensiert. So müssen die privaten Haushalte nun insgesamt dennoch höhere Heizkosten stemmen. Kostentreiber war vor allem das Heizöl, dessen Preis sich zwischen 2005 und 2013 fast verdoppelt hat. Beim Heizgas fiel der Preisanstieg nicht ganz so drastisch aus. Nach Angaben des Verbraucherportals Verivox verteuerte sich der durchschnittliche Preis bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden in den vergangenen zehn Jahren um 21 Prozent.

Heizverzicht ist keine Lösung

Und was kann der Verbraucher gegen die steigenden Kosten tun? Die Heizung noch weiter herunterdrehen, kann keine Lösung sein. Denn Wärme ist nicht nur ein Kosten-, sondern auch ein wesentlicher Wohlfühlfaktor. Das zeigt sich schon an der Art und Weise, wie heute bei Neubauten und nach Modernisierungen Wärme in die Räume gebracht wird. Früher strahlte sie geballt von einzelnen Heizkörpern ab, heute sorgen Fußboden- oder Wandheizungen für eine gleichmäßige Flächenversorgung. Zusätzlicher Vorteil: Der klassische, oft störende Heizkörper verschwindet. Der Verzicht aufs Heizen kann zudem üble Folgen haben: Es kühlen nämlich nicht nur die Räume aus. Auch die Gefahr der Schimmelbildung steigt. Denn je stärker das Gebäude auskühlt, desto besser blühen die Pilzkulturen, weil sich auf den kalten Wänden unweigerlich Feuchtigkeit niederschlägt, die zum Beispiel durch Schwitzen, Atmen, Duschen, Putzen oder Kochen entsteht. Wird aus Sorge vor dem Wärmeverlust zudem noch wenig gelüftet, ist der Schimmelbefall nicht mehr zu stoppen.

Heizkosten sparen: Wärme ganzheitlich betrachten

Der Ausweg: Auch Verbraucher müssen sich intensiver mit dem Thema Wärme auseinander setzen. Heute reicht es nicht mehr aus, einfach die Heizung aufzudrehen. Die Wärmewelt ist komplexer geworden, verschiedene Faktoren wie Dämmung, Lüftung und die Wahl der Energiequelle greifen ineinander und müssen auch zusammen betrachtet werden. Die DIW-Experten empfehlen im Wärmemonitor, den Fokus weiterhin auf die Energieeffizienz der Gebäude zu legen, um den Preissteigerungen adäquat zu begegnen. Daneben spielt aber auch die Heiztechnik eine große Rolle, denn sehr viele Anlagen im Bestand sind viel zu alt. Gerade einmal ein Viertel der rund 18 Millionen Feuerungsanlagen in Deutschland ist jünger als zehn Jahre, bei den Öl- und Gasheizungen sind mehr als 70 Prozent sogar älter als 15 Jahre.

Grafik zu Haushalten nach überwiegender Heizenergieart der Hauptwohnung. Quelle: Statistisches Bundesamt, 2013
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2013

Moderne Anlagen verbrauchen weniger

Die Einsparungen, die beim Austausch einer alten Anlage erzielt werden, können folglich immens sein. Während zum Beispiel alte Heizkessel mitunter nur magere 65 Prozent der Heizöl-Energie zu Wärme verarbeiten, liegt die Energieausbeute bei modernen Modellen bei rund 98 Prozent. Verbraucher bekommen den Verbrauchsunterschied deutlich zu spüren, die neue Anlage amortisiert sich in diesen Fällen schnell. Mit solchen Investitionsentscheidungen werden Gebäudeeigentümer gleichzeitig zu Klimaschützern, weil eben nicht nur die Kosten, sondern auch noch die CO²-Emissionen sinken. Noch weit mehr ist das natürlich der Fall, wenn regenerative Energieerzeugungsarten zum Zuge kommen. Solarthermie und Geothermie stoßen heute zunehmend auf das Interesse der Häuslebauer. Auch werden Kombinationen mit konventionellen Heizungsarten gewählt. So wird die Wärmeversorgung im Winter beispielsweise von der Ölheizung geleistet, wenn die Solarthermie in den besonders kalten und sonnenarmen Monaten nicht genug Energie liefert.

Dämmung spart und bringt Behaglichkeit

Welchen Wert gerade die Wärmeversorgung für das Erreichen der Klimaschutzziele hat, wird den Deutschen immer mehr bewusst. Und ebenso wissen mittlerweile nicht nur Profis, dass es die Kombination aus Dämmung und moderner Heiztechnik ist, die für wirkliche Energieeffizienz sorgt. Im Neubau ist das weniger ein Problem: Hier legt die Energieeinsparverordnung (Enev) per Gesetz die Obergrenze für den Primärenergiebedarf fest. Es müssen keine Fehler aus der Vergangenheit teuer korrigiert werden, von vornherein kann nach modernsten Maßstäben gebaut werden. Doch das Problem: Deutschland ist schon gebaut. Die meisten von uns wohnen in Bestandsbauten, die mitunter ein Vielfaches der im optimalen Fall erforderlichen Wärmeenergie benötigen. In der energetischen Sanierung dieser Bestandsbauten liegt eine der wesentlichen Herausforderungen der Energiewende. Damit deutsche Gebäude tatsächlich gemäß den klimapolitischen Zielen bis zum Jahr 2050 mindestens 80 Prozent weniger Primärenergie im Vergleich zu 2008 verbrauchen, müssten künftig jedes Jahr mindestens zwei Prozent der mehr als 30 Millionen Eigenheime und Wohnungen energetisch saniert werden. In den vergangenen Jahren wurden aber nach Angaben des Instituts für Wohnen und Umwelt jährlich nur rund 0,8 Prozent der Gebäude vollständig energetisch saniert und modernisiert. Um die Quote zu erhöhen, hat die Bundesregierung umfangreiche Förderungen aufgelegt. Die KfW bezuschusst nicht nur Einzelmaßnahmen wie den Austausch der Heizung, sondern auch umfassende Sanierungen wie die Dämmung von Gebäudehülle, Fenstern und Türen. Zudem gewährt die Förderbank zinsgünstige Darlehen. Nach dem Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeg) und dem Marktanreizprogramm (MAP) wird zudem der Einbau von Technologien zur nachhaltigen Wärmeerzeugung unterstützt.

Die Höhe der Investitionen und die Komplexität der Anforderungen haben die Wärmeversorgung im Gewerbe sowie in der Wohnungswirtschaft zunehmend zu einem Thema für Profis gemacht. Eigentümer von Mehrfamilienhäusern erkennen oft, dass der Hausmeister mit der Heizanlage nicht die besten Ergebnisse erzielt. Als Alternative stehen Wärme-Contractoren bereit, die nicht nur das Geld für die Anschaffung der modernen Technik mitbringen, sondern auch den Betrieb optimieren. Und das fängt bereits bei der Anschaffung der richtigen und vor allem der richtig dimensionierten Technik an. Oft finden Experten Kessel vor, die für das Objekt viel zu groß sind und folglich gar keine optimalen Verbrauchswerte liefern können. Ein modernes Energiecontrolling, aus einer Einsatzzentrale heraus, offenbart zudem schnell technische Störungen, die sonst möglicherweise erst nach Monaten oder Jahren – oder vielleicht auch gar nicht – erkannt werden und lange für unnötigen Verbrauch sorgen. Immer häufiger kommen dabei die besonders effizienten Blockheizkraftwerke zum Einsatz, die Strom gleich mitliefern. Smart Home mit Mini-bhkw – das könnte in immer mehr Häusern die Lösung für eine zukunftsgerechte Wärmeversorgung darstellen

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