Investitionen in die Energiewende

Kreative Finanzierungen nötig

Von Thomas Schulze · 2013

Ein Milliardenprojekt sucht Investoren. Auch Kleinanleger können auf attraktive Renditechancen hoffen.

 Biogasanlagen zwischen Feldern. Bei der Energiewende spielen sie eine nicht unwesentliche Rolle

Es ist das größte Infrastruktur- und Modernisierungsprojekt der nächsten Jahrzehnte. Gemeint ist die Energiewende in Deutschland, die einer Jahrhundertaufgabe gleichkommt. Dabei ist die Zielsetzung klar definiert: Wesentliches Element ist der Ausstieg aus der Atomenergie. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung soll bis 2020 mindestens 35 Prozent, bis 2050 mindestens 80 Prozent betragen. Gleichzeitig sollen die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent sinken. Auch in den Bereichen Energieeffizienz, Energieproduktivität, Stromverbrauch und Wärmebedarf sind konkrete Ausbauziele festgesteckt. Weniger klar ist hingegen die Umsetzung der einzelnen Zielvorgaben. Und auch ein anderes nicht ganz unwichtiges Element in dem gesamten Themenkomplex ist im Moment noch alles andere als sonnenklar: die Finanzierung. „Die Energiewende wird rund 335 Milliarden Euro kosten“, schätzt etwa Lutz Diederichs, Vorstand der HypoVereinsbank Corporate & Investment Banking. Ob diese Zahl am Ende zutreffen wird oder nicht, weiß heute noch niemand. Doch fest steht: Die Kosten für den Umbau des Energiesystems sind enorm. Dabei werden die Finanzierungsmöglichkeiten durch ein unsicheres Regulierungsumfeld sowie die Auswirkungen der Finanzkrise erschwert.

Energiewende: Milliarden für das Mammutprojekt

Der geplante Atomausstieg bis 2022 kann nur erreicht werden, wenn Deutschland in den nächsten Jahren massiv die Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Biogas und Erdwärme ausbaut. Zugleich muss der Energieverbrauch sinken. Allein bis 2016 wird die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KFW) als Förderbank des Bundes mehr als 100 Milliarden Euro für Investitionen im Energiebereich zur Verfügung stellen. Viele ihrer Programme für Private, Unternehmen und Kommunen hat die KFW nach eigenen Angaben bereits erweitert, vereinfacht, vergünstigt oder ganz neu aufgelegt. So bietet sie zum Beispiel ein Offshore-Programm an, das für den Bau großer Windparks in Nord- und Ostsee fünf Milliarden Euro bereitstellt. Ohne einen Mix an innovativen Finanzierungsinstrumenten wird sich die Energiewende allerdings nicht finanzieren lassen, meint der Bundesverband Deutscher Banken. So müsse ein Mix verschiedener Finanzierungsinstrumente entsprechend dem Risikoprofil der jeweiligen Projektphase sowie der Risikobereitschaft und Renditeerwartung der Investoren entwickelt werden. „Neben langfristigen Bankkrediten können Verbriefungen oder Projektanleihen eine wichtige Rolle spielen“, heißt es beim Verband.

Bürgerbeteiligung als Treiber

Stichwort „Anleihe“: Planungen der Bundesregierung sehen als ein Finanzierungselement für die Energiewende die Ausgabe einer Bürgeranleihe vor, die zunächst auf ein Volumen von rund fünf Milliarden Euro angesetzt ist. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sieht in dieser Form der Finanzierung für die Bürger große Vorteile, denn diese könnten dadurch eine attraktive Rendite einstreichen. Mit einer Einlage von 500 Euro und einem garantierten Zinssatz von fünf Prozent wären die Bürger selbst also nicht nur an der Finanzierung der Energiewende sondern auch an deren Gewinn beteiligt. Eine andere Form der Finanzierung sind Beteiligungsmodelle. Unternehmen, die im Bereich erneuerbare Energien tätig sind, haben einen hohen Finanzierungsbedarf, um die Ziele der Energiewende zu erreichen. Solche Unternehmen, die im Bereich Cleantech wirtschaften, werden bisher hauptsächlich von Bankkrediten, Finanzmarktprodukten und Fonds finanziert. Dem sollen neue Finanzierungsmöglichkeiten für Kleinanleger entgegengesetzt werden. Konnten bisher Kleinanleger über Aktien und Fondsbeteiligungen von den erneuerbaren Energien profitieren, waren diese Anlagen oft an einen hohen Kapitaleinsatz gebunden. Um eine niedrigschwellige Beteiligung für Kleinanleger zu ermöglichen und damit auch die Gewinnverteilung gerechter zu gestalten, wären Bürgerbeteiligungsmodelle ein interessanter neuer Weg. Davon würden einerseits die Anlagenbauer und Produzenten von erneuerbaren Energien profitieren, weil ihr Finanzierungsbedarf breiter verteilt gedeckt wäre und man sich unabhängiger von großen Investoren mache könnte. Andererseits würden Anleger schon mit kleinem Kapitaleinsatz eine bessere Rendite erzielen, ohne ein zu hohes Risiko einzugehen.

Weiterführende Artikel

Array
(
    [micrositeID] => 19
    [micro_portalID] => 25
    [micro_name] => Energieratgeber
    [micro_image] => 4601
    [micro_user] => 1
    [micro_created] => 1457706724
    [micro_last_edit_user] => 1
    [micro_last_edit_date] => 1567518719
    [micro_cID] => 488
    [micro_status] => 1
    [micro_cache] => 0
    [deleted] => 0
)