Solarmarkt

Photovoltaik-Markt wächst weiter

Von Jürgen Ackermann · 2013

Während Fernost satte Zuwächse verzeichnet, schwächelt der hiesige Markt. Europas Chance liegt in der Technologieführerschaft.

Blick in eine belebte Straße in einer chinesischen Metropole. China ist auf dem Solarmarkt ein ernstzunehmender Konkurrent

Der Photovoltaik-Markt boomt. Nach einer aktuellen Studie des us-Marktforschungsunternehmens
ihs Inc. wird der weltweite Photovoltaik-Zubau 2013 um 13 Prozent zunehmen und 35 Gigawatt erreichen. Bereits 2012 habe der Zubau rund 31,4 Gigawatt betragen, was einem Wachstum um 14 Prozent entsprach. Asien werde das Marktwachstum voraussichtlich anführen, berichten die Marktforscher. In diesem Jahr rechnen sie mit einem Photovoltaik-Marktvolumen von 15 Gigawatt in Fernost. Das wäre mehr als in Europa: Hier gehen die Marktforscher von einem Rückgang auf 13 Gigawatt aus. Für Deutschland und Italien, zwei der wichtigsten Photovoltaik-Märkte im Jahr 2012, sieht Ash Sharma, Senior Director der Abteilung Solarenergie bei ihs in diesem Jahr kaum Wachstumschancen. Bereits in Kraft getretene Änderungen im deutschen eeg und dem italienischen Conto Energia führen nach seiner Einschätzung eher zu einem Abschwung in diesen Märkten. „Darüber hinaus fordern die drohenden Antidumping-Maßnahmen gegen chinesische Hersteller ihren Tribut in Europa“, sagt Sharma. Dies führe zu Preissteigerungen und zusätzlichem bürokratischen Aufwand, was die Nachfrage in diesem Jahr zusätzlich abschwächen wird.

Solarmarkt: China macht Konkurrenz

Klar ist, dass sich der Markt verändert und so auch die Lage und Perspektiven der deutschen Photovoltaik-Hersteller. Jahrelang waren sie weltweit führend. Inzwischen spüren sie nachhaltig die Konkurrenz vor allem chinesischer Modulhersteller. Gute Chancen, im weltweiten Wettbewerb zu bestehen, werden die Unternehmen haben, die an der Spitze der technologischen Entwicklung stehen und durch Innovationen die Effizienz von Anlagen und Speichern weiter erhöhen. Darüber hinaus müssen sie in der Lage sein, ihre Kosten deutlich weiter zu senken und international erfolgreich positioniert sein. Schließlich ist eine konsequente Fokussierung auf Forschung und Entwicklung (F&E) essenziell für den Erfolg der deutschen Photovoltaikbranche. „Deutsche Photovoltaikunternehmen sind gegenüber asiatischen Wettbewerbern auf lange Sicht nur dann konkurrenzfähig, wenn sie die Technologieführerschaft haben“, ist Jens von Coburg, Solarexperte und Unternehmensberater aus Berlin, überzeugt. Nur durch entsprechend hohe Ausgaben für F&E kann die Effizienz der angebotenen Technologie kontinuierlich gesteigert und Kostensenkungen erzielt werden.

Innovationskraft als Treiber

Auf neue interessante Marktpotenziale für die Solarbranche weisen derzeit aktuelle Untersuchungen hin, die Roland Berger für den Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (bsw-Solar) erstellt hat. Demnach lassen sich diese Potenziale insbesondere über eine Erhöhung der Eigenverbrauchsquoten selbst erzeugten Solarstroms sowie mittels neuer solarer Nahstromversorgungskonzepte und Vermarktungsmodelle erschließen. Nach Angaben des Verbandes kann Solarstrom schon heute auf dem eigenen Dach für 15 bis 18 Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden. Zum Vergleich: Der Strom vom Energieversorger kostet aktuell für Haushaltskunden durchschnittlich zwischen 25 und 30 Cent, Tendenz steigend.

„Bei hohen Eigenverbrauchsquoten selbst erzeugten Solarstroms erreichen wir bei weiter sinkenden Photovoltaik-Preisen in einigen Marktsegmenten schon in wenigen Jahren die Zielmarke: Neue Photovoltaik-Anlagen werden auch ohne Förderung wirtschaftlich selbsttragend“, beschreibt Günther Häckl, Präsident des bsw-Solar, die Perspektiven. All das ändert aber nichts daran, dass gegenwärtig ein massiver Umbruch in der deutschen Hersteller-Szene stattfindet. So hat erst kürzlich Bosch erklärt, die Firma werde sich aus dem Photovoltaik-Markt zurückziehen. Bis spätestens 2014 soll die Fertigung von Ingots, Wafern, Zellen und kristallinen Modulen eingestellt werden. Jedoch versucht Bosch, bei Möglichkeit einzelne Bereiche vorab zu veräußern. Die Verluste des Unternehmens im Bereich Photovoltaik beliefen sich, wie im Januar 2013 veröffentlicht wurde, im vergangenen Jahr auf rund eine Milliarde Euro. Mit seinem Ausstieg folgt Bosch dem Siemens-Konzern, der bereits Ende vergangenen Jahres die Veräußerung seiner Solar- und Hydroabteilung bekanntgegeben hatte.

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