Stromnetze

Steife Brise von Nord nach Süd

Von Inken Schönauer · 2013

Der Ausbau des Stromnetzes hat eine Schlüsselfunktion bei der Energiewende.

 Hochspannungsmasten zwischen Feldern. Das Stromnetz führt durch alle Ecken Deutschlands
So beliebt der grüne Strom ist, so unbeliebt sind die neuen Anlagen oder Transportnetze in der eigenen Nachbarschaft.

Sturmböen im Norden, Flaute im Süden. Dieses Wetterszenario ist typisch für Deutschland. Daher ist es nur natürlich, dass in Schleswig-Holstein mehr Windräder stehen als in Bayern. Aber auch im Süden der Republik wird der erzeugte Strom von Deutschlands Küsten gebraucht. Die Energiewende muss also nicht nur die Frage beantworten, womit Energie erzeugt wird, sondern auch, wie die Energie von Wilhelmshaven nach München kommt. „Für Stromnetze existiert ein umfangreicher und zeitnaher Ausbaubedarf“, heißt es in einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) aus diesem Jahr. Grüner Strom entsteht zu einem großen Teil in vergleichsweise kleinen, dezentralen Anlagen wie Solaranlangen, aber auch in immer mehr Offshore-Windanlagen an der Küste. Damit ist auch der Transport zum Verbraucher komplexer geworden. Wo früher die Energie vom Großkraftwerk zu den nahegelegenen „Lastzentren“, also den Großstädten und Industriegebieten, transportiert wurde, muss er nun über weite Strecken von Nord nach Süd transportiert werden. Für derartige Anforderungen ist das derzeitige Stromnetz nur bedingt geeignet. Den Investitionsbedarf schätzen Experten bis 2030 auf circa 70 Milliarden Euro, heißt es in der Studie der BCG.

Stromnetze: Akzeptanz braucht neue Lösungen

Stromnetze lassen sich aber nicht beliebig ausbreiten. Denn so beliebt der grüne Strom ist, so unbeliebt sind die neuen Anlagen oder Transportnetze in der eigenen Nachbarschaft. Proteste betroffener Bürger führen immer wieder dazu, dass sich der Netzausbau verzögert. Nach Meinung der Deutschen Energie-Agentur (DeNA) ist die Schaffung von Akzeptanz daher eine grundlegende Voraussetzung für den Netzausbau. Helfen könnten hier alternative Netztechnologien. Diese aber befinden sich meist noch in der Entwicklung. Erdkabel oder Tunnellösungen könnten mittelfristig dazu beitragen, die Akzeptanz zu erhöhen. Allerdings spielen dabei auch die Kosten eine erhebliche Rolle. Zudem gibt es Versuche, Bürger an Leitungen finanziell zu beteiligen. Die Akteure versprechen sich auch davon eine höhere Akzeptanz der Maßnahmen. Alle Akteure sind sich einig, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen bisher stark verbesserungswürdig waren. Unterschiedliche Genehmigungsverfahren in unterschiedlichen Bundesländern verzögerten die Bauvorhaben. Das im Jahr 2011 implementierte Netzausbau-Beschleunigungsgesetz (NABEG) soll die Prozesse nun schneller voranbringen.

Offshore-Windparks suchen Anschluss

Der Ausbau der Stromnetze wird nicht allein für den Erfolg der Energiewende ausreichen. Denn nur wenn es gelingt, die Windräder im Meer an das Netz anzubinden, wird es weitere Investitionen in diesem Bereich geben. In der Vergangenheit gab es gerade hier große Schwierigkeiten, weil die Übertragungsnetzbetreiber in ihrem Netzgebiet zur Anbindung verpflichtet, mit den weiteren Investitionen aber oft finanziell überfordert waren. Abhilfe könnten hier private Investoren schaffen, die die Investitionen leisten.

Strom- und Wärmenetz wachsen zusammen

Neue Stromautobahnen alleine reichen nicht aus, um ganz Deutschland mit grüner Energie zu versorgen. Der Schlüssel für das Gelingen der Energiewende könnte im Erdgasnetz liegen: Power to Gas heißt die Technologie, auf die Experten große Hoffnungen setzen. Denn sie kann überschüssigen Windstrom in großen Mengen speicherbar machen, indem sie ihn per Elektrolyse in Wasserstoff verwandelt. Als Windwasserstoff verpackt, könnte die überschüssige Energie über lange Zeit im Erdgasnetz bevorratet werden. „Power to Gas ist die Schlüsseltechnologie für das Gelingen der Energiewende“, so titelt denn auch eine aktuelle Studie des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW) in Kooperation mit mehreren Forschungsinstituten. Bestehende unterirdische Gasspeicher können nämlich schon heute etwa 200 Terawattstunden Energie vorhalten. Letzteres entspricht einem Drittel des gesamten Jahresstromverbrauchs Deutschlands. Windwasserstoff könnte dem heutigen Erdgas zu etwa einem Prozent beigemischt werden und so einen Teil dieses enormen Reservoirs nutzen.

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