Digitales Verteilnetz

Smart zum Strom

Von Katharina Lehmann · 2020

Die Energiewende braucht innovative digitale Technologien. Nur wenn Produzenten und Konsumenten digital miteinander vernetzt sind, lassen sich die Erneuerbaren Energien angebotsgerecht verteilen und bedarfsgenau nutzen.

Eltern, die ihrem Kind ein Smart Grid erklären.
Mit der Energiewende werden aus Verbraucher Prosumer. Foto: iStock / anatoliy_gleb

Wenn es nachts draußen stürmt und die Windräder kräftig rotieren, packt sich das Elektroauto automatisch den Akku voll. Knallt dagegen mittags die Sonne auf die Solarpanele, springen die am Morgen beladene Wasch- und Spülmaschine an. Gleichzeitig lädt der Batteriespeicher auf, um Energie für die dunklen Abendstunden vorzuhalten, in denen die ganze Familie wieder zu Hause ist. Wenn mit Voranschreiten der Energiewende immer mehr Strom aus schwankungsintensiven Quellen in das deutsche Stromnetz fließt, müssen auch die Verbraucher flexibler werden und den Strom dann verbrauchen, wenn er gerade entsteht – oder eben zwischenspeichern. Damit das aber möglich wird, braucht es ein digitales Verteilnetz. „Nur mit einem wirklich digitalen Verteilnetz können zum Beispiel Nachbarn Strom tauschen oder das neue Elektroauto günstig laden, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint“, erklärt Robert Spanheimer, Energieexperte beim Digitalverband Bitkom. Der Schlüssel dafür ist das sogenannte Smart Grid – ein intelligentes Stromnetz, in dem Erzeuger, Verbraucher, Speicher und Netzbetreiber miteinander kommunizieren und sich aufeinander abstimmen, um Kosten und Netzausbau beherrschbar zu halten. Damit das funktioniert, braucht es aber den flächenmäßigen Einsatz von intelligenten Stromzählern, den sogenannten Smart Metern.

Aus Verbrauchern werden Prosumer

Profitieren könnten von der Digitalisierung des Stromnetzes aber nicht nur die Verbraucher, die in Zukunft auch mehr Möglichkeiten erhalten sollen, selbst einen Beitrag zur Energiewende zu leisten. So wünsche sich die EU den aktiven Verbraucher, der nicht nur Strom nutzt, sondern auch erzeugt – zum Beispiel mit der kleinen Photovoltaikanlage auf dem Dach. „Nach dem Willen der EU soll der sogenannte Prosumer in den Mittelpunkt rücken. Das heißt zum Beispiel, dass der Eigenverbrauch bei kleineren Anlagen von Abgaben und Umlagen befreit wird und neue Vermarktungsformen wie Peer-to-Peer ermöglicht werden“, erklärt Spanheimer. So sollen Mieter und Wohnungseigentümer, die Strom produzieren und ins Netz einspeisen, mit Einfamilienhausbesitzern gleichgestellt werden.

Digital in ein neues Energiezeitalter

Doch der digitale Wandel bringt noch mehr: „Von Smart Metern kann mit entsprechenden Anwendungen jeder einzelne Kunde profitieren. Sie sind aber auch ein entscheidender Teil einer modernen Netzinfrastruktur als Grundlage für das Energiesystem der Zukunft“, erklärt Spanheimer. Denn mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien wird die Stromerzeugerlandschaft immer dezentraler. „Rund 1,6 Millionen dezentrale Erzeugungsanlagen bedeuten, dass wir die Verteilung und Steuerung des Stroms neu organisieren müssen – die Digitalisierung ist hierbei der Hebel“, heißt es dazu beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW.
 

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