Stabilität der Stromversorgung

Stromversorgung in Gefahr?

Von Hartmut Schumacher · 2021

Bei der Stabilität der Stromversorgung belegt Deutschland international einen der Spitzenplätze. Lediglich durchschnittlich zwölf Minuten musste ein Stromkunde hierzulande im Jahr 2019 auf Energie verzichten. Bringt der Umstieg auf Erneuerbare Energien Risiken für diese Zuverlässigkeit?

Strommasten
Foto: iStock/ zhaojiankang

Erneuerbare Energien haben viele sympathische Eigenschaften, eines jedoch sind sie nicht: verlässlich. Denn in der Regel sind sie vom Wetter abhängig. Ist es beispielsweise dunkel oder windstill, dann liefern Sonnen- oder Windkraftwerke keinen Strom. Umgekehrt produzieren Windkraftwerke bei Sturm zu viel Strom. Darüber hinaus findet durch die Energiewende eine geografische Verschiebung der Stromerzeugung statt, was zu Überlastungen der Stromleitungen führen kann. Das Paradebeispiel dafür ist die Situation im Winterhalbjahr: Stürme im Norden ermöglichen es den dortigen Windrädern, besonders viel Strom zu produzieren. In den industriellen Zentren des Südens dagegen wird mehr Energie benötigt als im Sommer. Das kann die Nord-Süd-Verbindungen des Stromnetzes überfordern.

Redispatch und Netzreserve

Bedeutet dies, dass wir mit dem steigenden Ausbau von Erneuerbaren Energien einem größeren Risiko ausgesetzt sind, unerwartet ohne Strom dazustehen, weil nicht genügend Strom produziert wird oder weil die Leitungen den Geist aufgeben? Nein, denn in solchen Situationen haben die Stromnetzbetreiber die Möglichkeit, steuernd einzugreifen. Das wichtigste Werkzeug dazu nennt sich Redispatch – auf Deutsch und etwas umständlicher: eine kurzfristige Änderung der Einsatzplanung von Kraftwerken. Droht an einer Stelle im Netz eine Überlastung, dann müssen Kraftwerke auf der einen Seite der kritischen Stelle ihre Stromeinspeisung verringern, während Kraftwerke auf der anderen Seite ihre Einspeisung entsprechend erhöhen. Das funktioniert nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch grenzüberschreitend: Die Bundesrepublik tauscht Strom mit neun Nachbarländern aus, wobei Deutschland fast doppelt so viel Strom exportiert wie importiert. Stehen nicht genügend Kraftwerkskapazitäten zum Durchführen von Redispatch-Maßnahmen zur Verfügung, dann können die Stromnetzbetreiber auf die Netzreserve zurückgreifen – also auf Kraftwerke, die aus Gründen der Wirtschaftlichkeit eigentlich stillgelegt werden sollten, für solche Notfälle aber eben doch noch bereitgehalten werden.

Mehr Eingriffe nötig für die Stabilität der Stromversorgung

Die Häufigkeit der Redispatch-Eingriffe schwankt stark, denn sie ist unter anderem abhängig von äußeren Einflüssen wie ungewöhnlichen Kälteperioden, starken Stürmen oder auch geringerem Stromverbrauch durch die Corona-Pandemie. Generell aber ist die Häufigkeit dieser Eingriffe zusammen mit dem vermehrten Einsatz von Erneuerbaren Energien gestiegen: Laut der Auswertung „Redispatch in Deutschland“ des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft lag das Redispatch-Volumen im Jahr 2013 (als der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch 25 Prozent betrug) bei knapp drei Gigawattstunden. 2019 dagegen (bei einem Erneuerbaren-Energien-Anteil von 42 Prozent) kam es zu einem Redispatch-Volumen von knapp 14 Gigawattstunden. Ähnlich sieht es bei den Redispatch-Kosten aus, die von 113 Millionen Euro im Jahr 2013 auf 207 Millionen Euro im Jahr 2019 gestiegen sind.

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