Wärmenetz

Heizen im Kollektiv

Von Katharina Lehmann · 2020

Nicht jedes Haus braucht seine eigene Heizanlage. Besser ist es, Wärme klimaschonend im Quartier zu erzeugen und dann auf die verschiedenen Gebäude zu verteilen. Damit aber umweltfreundlich Wärmequellen genutzt werden können, müssen zuvor die Gebäude gut eingepackt werden.

Wände einer Wohnung mit Dämmmaterial
Wärmedämmung hilft, Energie zu sparen. Foto: iStock / photovs

Rund ein Sechstel des in Deutschland ausgestoßenen Klimaschädlings CO2 entsteht beim Erzeugen von Wärme und Warmwasser. Doch ein großer Teil dieses Kohlendioxids könnte vermieden werden – mit effizienteren Gebäuden und CO2-neutralen Heiztechnologien. „Abwärme aus Betrieben, Wärme aus Abwasser oder Geothermie werden bislang kaum genutzt“, moniert Bernd Hirschl, Projektleiter einer Forschergruppe unter Leitung des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). In Berlin zeigen Hirschl und sein Team, wie die urbane Wärmewende funktionieren könnte. In einem Altbauviertel, aus der vorletzten Jahrhundertwende, im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wird zunächst der Wärmebedarf der Gebäude durch eine energetische Sanierung gesenkt. Anschließend wird das Quartier mit Wärme aus einer Abwasser-Wärmepumpe, die mit vor Ort erzeugtem Solarstrom betrieben wird, in Kombination mit Kraft-Wärmekopplung versorgt.

Erst dämmen, dann heizen

„Nur wenn der Wärmebedarf deutlich gesenkt wird, können umweltfreundliche Wärmequellen effizient genutzt werden“, erklärt Projektleiter Hirschl. Wird die Wärmewende im Ganzen gedacht und kommunal geplant, sei sie auch sozialverträglich möglich. Der Schlüssel für solche umweltfreundliche und gleichzeitig wirtschaftliche Wärme seien aber Quartierskonzepte und Wärmenetze.

Wärmenetze reduzieren CO2-Ausstoß

Grüne Wärmenetze und die Umstellung von fossilen Energien auf erneuerbare oder klimaneutrale Wärme fordert auch ein Bündnis aus Verbänden und Gewerkschaften, Genossenschaften und Klimaschutzorganisationen. Demnach seien Wärmenetze ein wichtiger Bestandteil der Wärmewende – vor allem im Gebäudebestand der Ballungsräume, aber auch im ländlichen Raum, wo sie klimaneutrale und erneuerbare Wärme an die einzelnen Gebäude verteilen können. „Es geht darum, Wärmenetze in Stadt und Land zu erhalten, um- und auszubauen und sukzessive mit klimaneutraler und erneuerbarer Wärme zu füllen. Dadurch kann erheblich CO2 reduziert werden“, erklären die am Positionspapier beteiligten Autoren. Wichtig dabei: Die Wärmenetze müssten einen Ausgleich zwischen verschiedenen Nutzerprofilen bieten und verschiedene Wärmeerzeuger flexibel, angebotsorientiert und gemäß der örtlichen Gegebenheiten einbinden. Als Wärmeträger kommen den Experten zufolge Abwärme, Solarthermie, Geothermie und KWK-Wärme infrage. Ergänzt werden diese durch Power-to-Heat-Anlagen und Wärmespeicher. „Das würde helfen, der Maxime Nutzen-Statt-Abregeln zu folgen, indem mehr Strom aus erneuerbaren Energien in ein Wärmesystem integriert statt abgeregelt wird“, erklären die Autoren. So könnte die grüne Energie für Strom und Wärme effektiv genutzt werden.

Wussten Sie schon, dass …

…  die privaten Haushalte in Deutschland für rund zehn Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich sind? Die Emissionen entstehen vor allem beim Heizen der Räume und bei der Bereitung heißen Wassers. Der CO2-Ausstoß aus der Herstellung von Strom für private Haushalte wurde hier nicht mitgezählt. Da in Deutschland kaum noch mit Kohle geheizt wird, sind die Treibhausgasemissionen im Wärmesektor in den vergangenen 30 Jahren massiv zurückgegangen. Doch noch immer sehen Experten beim Heizen erhebliches CO2-Einsparpotenzial, viele Häuser und Wohnungen sind nach wie vor schlecht gedämmt.

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