Die Energiewende vorantreiben

Die Ampel auf Grün stellen

Von Jens Bartels · 2022

Deutschland droht den Anschluss an die im vergangenen Jahr noch einmal verschärften Klimaziele zu verlieren. Um den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren, müssen die Erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden. Weitere Bausteine auf dem Weg in eine grünere Zukunft sind ein Plus beim Klimaschutz im Gebäudebereich und für Unternehmen die Umsetzung einer CO₂-neutralen Produktion.

Eine Person schaut sich verschiedene Optionen zur Verringerung der CO2-Emissionen an
Gute Ideen zur Verringerung der CO₂-Emissionen sind gefragt. Foto: iStock / NicoElNino

Im Jahr 2021 sind die Treibhausgasemissionen in Deutschland deutlich angestiegen. Mit einem Plus von rund 33 Millionen Tonnen CO₂ (plus 4,5 Prozent) gegenüber 2020 droht die Bundesrepublik den Anschluss an ihre selbst gesteckten Klimaziele zu verlieren. Zugleich wird mit 38 Prozent Emissionsminderungen gegenüber 1990 das Minderungsziel von 40 Prozent wieder verfehlt. Haupttreiber für den Emissionsanstieg auf 772 Millionen Tonnen CO₂ waren die wirtschaftliche Teilerholung nach dem Pandemiejahr 2020, eine höhere Kohleverstromung, bedingt durch stark gestiegene Gaspreise, ein Rückgang der Stromproduktion aus Erneuerbaren Energien sowie eine kühlere Witterung. Das zeigt die Jahresauswertung von Agora Energiewende

„Einerseits ist 2021 das Jahr, in dem sich Deutschland die ambitioniertesten Klimaziele seiner Geschichte gesetzt hat, und andererseits wächst die Umsetzungslücke weiter, die die neue Bundesregierung jetzt dringend mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen schließen muss“, sagt Simon Müller, Direktor Deutschland bei Agora Energiewende. „Insbesondere beim Klimaschutz im Gebäudebereich und bei den Erneuerbaren Energien gibt es großen Aufholbedarf.“

Tempo des Ausbaus erhöhen

Zur Erinnerung: Deutschland hat sich vorgenommen, den Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2030 um 65 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren. Bis 2045 soll die Bundesrepublik dann klimaneutral sein. Allerdings sind mittlerweile schon die Klimaziele für 2030 ohne Gegensteuern kaum zu erreichen. Widerstände durch Anwohner und Naturschützer sowie bürokratische Hürden haben den Ausbau zuletzt gebremst. Dies möchte die Bundesregierung mit einer gesetzlichen Festlegung auf ein „überragendes öffentliches Interesse“ ändern und damit das Tempo zur Minderung klimaschädlicher Emissionen deutlich anziehen. 

Zu den Plänen der Bundesregierung zählt der beschleunigte Ausbau Erneuerbarer Energien auf einen Anteil an der Stromversorgung von 80 Prozent bis zum Jahr 2030. Zur Einordnung: Im Jahr 2021 hatten die Erneuerbaren Energien einen Anteil von circa 42 Prozent an der Stromerzeugung in Deutschland. Wie ambitioniert dieses Ziel ist, zeigt schon ein Blick auf das Thema Windenergie. Die Genehmigungszeit für ein Windrad ist in Deutschland immer noch viel zu lange. Entsprechend zählt die Bundesregierung die Umsetzung schnellerer und besserer Planungs- und Genehmigungsverfahren zu ihren dringlichen Aufgaben beim Ausbau der Windenergie. Zudem sollen für Wind an Land mehr Flächen ausgewiesen werden, indem man die bislang vorgeschriebenen Abstände von Windrädern zu Wetterradaren oder Drehfunkfeuern des Flugverkehrs verringert. Neben der Windenergie liegt der Fokus auf einem massiven Ausbau von Photovoltaik: Nach den Plänen der neuen Bundesregierung soll bis 2030 dreimal so viel Solarstrom wie heute erzeugt werden. Deshalb wird ab dem kommenden Jahr für alle größeren gewerblichen Neubauten eine Solaranlagen-Pflicht angestrebt. Auch für private Neubauten soll eine Solaranlage zur Regel werden.

Grafik: CO₂-Emissionen 2020, Anteile in Prozent am weltweiten CO₂-Ausstoß

Kosten im Blick behalten

Darüber hinaus verhindern soziale Aspekte eine maximale Beschleunigung auf dem Weg zur Klimaneutralität. Eine der Herausforderungen in diesem Zusammenhang sind die aktuell hohen Energiekosten, bedingt auch durch die zum Jahreswechsel erhöhte CO₂-Steuer auf 30 Euro pro Tonne Kohlendioxid. Um die stark gestiegenen Kosten zu dämpfen, wird zur kurzfristigen Entlastung der Bundesbürger die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) im Jahr 2023 abgeschafft. Zudem arbeitet die Bundesregierung an einer Regelung zur „fairen Umlage“ der CO₂-Kosten zwischen Mietern und Vermietern. Derzeit müssen die Mieter den CO₂-Preis alleine tragen. Dies bedeutet, dass der eigentlich vorgesehene Anreiz für Vermieter entfällt, den Energieverbrauch durch bauliche Maßnahmen zu reduzieren. Dennoch gehen die Experten davon aus, dass die Kosten für Energie in den nächsten Jahren vergleichsweise hoch bleiben werden. 

Die Energiewende vorantreiben und CO₂-Neutralität umsetzen

Letztendlich werden die Klimaziele nur erreicht werden, wenn sämtliche handelnden Akteure sich gemeinsam für eine Reduktion von CO₂ einsetzen. Dies erkennen auch immer mehr Unternehmer in der Bundesrepublik. So verfolgen laut dem aktuellen „Global CEO Survey“ der Unternehmensberater von PwC fast ein Drittel der deutschen Unternehmen das Ziel, CO₂-neutral zu werden. Dies bedeutet, dass kurzfristig unvermeidbare CO₂-Emissionen durch den Kauf von Zertifikaten aus globalen Klimaschutzprojekten kompensiert werden. 17 Prozent der deutschen CEOs geben an, dass sich ihr Unternehmen zu „Net Zero“ verpflichtet habe, also der CO₂-Ausstoß des Unternehmens auf null oder nahe null reduziert wird. Verbleibende Restemissionen werden durch Projekte neutralisiert, die Treibhausgasemissionen aus der Atmosphäre entfernen. Die Gründe der Befragten, CO₂-neutral werden zu wollen, sind vielfältig. Zum einen wird die Selbstverpflichtung zur CO₂-Neutralität oder „Net Zero“ offenbar von außen beeinflusst: 83 Prozent der deutschen CEOs sagen, dass ihre Entscheidung von Erwartungen der Kunden beeinflusst wurde. 64 Prozent der Befragten geht es zum anderen darum, Risiken des Klimawandels zu minimieren.

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