Fossiler Brennstoff

Solange der Vorrat reicht

Von Hartmut Schumacher · 2020

Öl, Gas und Kohle sind auf unserem Erdball nur in begrenzter Menge vorhanden. Allerdings ist die Energieversorgung durch die fossilen Brennstoffe noch erstaunlich lange gesichert. Die Knappheit der Ressourcen ist indes nicht der einzige Grund, möglichst wenig dieser Energieträger zu verbrauchen.

Zwei Tiefpumpen bei der Erdölgewinnung
Erdöl ist noch für viele Jahre vorhanden, doch die Verbrennung schadet dem Klima. Foto: iStock / ssuaphoto

Trotz aller Bemühungen, die Energiewende Wirklichkeit werden zu lassen, stammt ein großer Teil unserer Energie nach wie vor von fossilen Brennstoffen – also vor allem von Öl, Gas und Kohle: Im Jahr 2018 hatten – laut dem „Renewables 2020 Global Status Report“ der Vereinigung REN21 – die fossilen Brennstoffe weltweit immer noch einen Anteil von knapp 80 Prozent an der verbrauchten Energie.

Doch wie lange werden diese Brennstoffe noch verfügbar sein? Eine Antwort auf diese Frage liefert ein Blick in die Studie „Statistical Review of World Energy 2020“ des Mineralölunternehmens BP. Sie enthält unter anderem Angaben über die Größen der Brennstoffreserven und über die jährlichen Fördermengen. Die Ölreserven beispielsweise betragen derzeit noch etwa 1.734 Milliarden Barrel. Demgegenüber steht eine jährliche Fördermenge von 35 Milliarden Barrel. Geht man von einer unveränderten Fördermenge und von ebenfalls unveränderten Reserven aus, dann lässt sich daraus berechnen, dass die Rohölreserven noch 50 Jahre reichen werden, also bis zum Jahr 2070. Auf dieselbe Weise lässt sich kalkulieren, dass die Erdgasvorräte ebenfalls bis zum Jahr 2070 reichen werden, und die Kohlevorräte sogar bis 2152.

Grafik: Fossile Rohstoffe - Erdölreserven in Deutschland bis 2020

Ressourcen statt Reserven

Allerdings ist dies etwas zu einfach. Und zwar aus mehreren Gründen: Erstens wird sich der weltweite Energiebedarf in den nächsten Jahren weiter erhöhen. Je nach Schätzung werden wir im Jahr 2040 etwa ein Viertel bis ein Drittel mehr Energie benötigen als derzeit. Zweitens gibt es nicht nur Rohstoffreserven, sondern auch Rohstoffressourcen – Vorräte also, die sich aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen gegenwärtig noch nicht fördern lassen, oder aber Vorräte, deren Vorhandensein man lediglich vermutet. Diese Ressourcen übertreffen die Reserven teilweise um ein Vielfaches. Die Hartkohleressourcen zum Beispiel sind laut der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe etwa 20-mal so groß wie die Hartkohlereserven. Beim Erdgas sind die Ressourcen immerhin 1,7-mal so groß und beim Erdöl 1,2-mal so groß. Und dann wären da drittens noch Vorräte unkonventioneller fossiler Brennstoffe, deren Förderung zwar aufwendig und oft auch umweltbelastend ist, die aber dennoch notfalls die Energieversorgung um mehrere Jahrzehnte verlängern könnten. Zu diesen unkonventionellen Energieträgern gehören Gashydrate, Ölschiefer, Ölsande und Kohleflözgase.

Fossiler Brennstoff: Zurückhaltung nötig

Zu guter Letzt: Aus Klimaschutzgründen kann es natürlich nicht das Ziel sein, alle vorhandenen Öl- und Kohlevorräte zu verfeuern. Wissenschaftler aus London haben ausgerechnet, dass etwa ein Drittel der Öl-, die Hälfte der Gas- und über 80 Prozent der Kohlereserven bis zum Jahr 2050 ungenutzt im Boden bleiben müssen. Zumindest dann, wenn wir – wie im Übereinkommen von Paris beschlossen – die globale Erwärmung auf zwei Grad Celsius begrenzen wollen.

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