Energiedatenmanagement

Geräte im Gespräch

Von Lars Grötsch · 2013

Machine-to-Machine Kommunikation bringt Stromfressern bei, selbständig Energie zu sparen. Eine Technik, die Erfolg verspricht.

 Binärcode. Symbolbild zum Energiedatenmanagement

Intelligente Energiedatenmanagementsysteme sind im Kommen. Gemeint ist damit ein Grundgerüst aus intelligentem Zähler, auch Smart Meter genannt, sowie einer Machine-to-Machine (M2M) Kommunikation. Laut Branchenverband M2M Alliance testen derzeit 8.150 Endkunden im Alltagsbetrieb, inwieweit eine automatisierte Kommunikation von Gerät zu Gerät dazu beitragen könnte, den Stromverbrauch zu senken. 82 Prozent der Probanden im Feldtest verzeichnen dabei bereits erste Erfolge. Der Grund liegt auf der Hand: „Es reicht nicht aus, den Verbrauch bloß zu messen“, sagt Thorsten Herdan, Energieexperte des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V. (VDMA) und Geschäftsführer VDMA Power Systems. Stromfresser und Spitzenlasten werden durch Messungen zwar erkannt, dann müssten aber auch noch Gegenmaßnahmen getroffen werden. M2M-Lösungen übernehmen dies ohne menschliches Eingreifen. Über Netzwerke verbinden sie verschiedene Geräte untereinander, so dass diese Informationen austauschen können. Nötige Maßnahmen leiten sie gemäß der Zählerdaten automatisch ein. Das wäre ein entscheidender Schritt, um die Energiewende für alle bezahlbar zu machen. Denn klar ist: Erzeugung und Verbrauch müssen in Zukunft stärker aufeinander abgestimmt werden.

Energiedatenmanagement: Strom sparen im Verbund

Ob Privathaushalt oder Unternehmen, die intelligenten Helfer bieten beiden immense Einsparchancen. Sind mehrere Unternehmen über ein intelligentes Stromnetz in einem lokalen Verbund verknüpft, ließe sich der Energieverbrauch in Zukunft innerhalb des Netzwerks aufeinander abstimmen. Benötigt beispielsweise eine Fabrik für einen Fertigungsschritt Druckluft, kann in einem anderen Unternehmen die Kühlung für diese Dauer reduziert werden. Der intelligente Prozess im Industrieunternehmen weiß dabei, dass das Kühlhaus nach bestimmter Zeit wieder hochgefahren werden muss, und lässt nicht alle Kompressoren auf einmal laufen. Teurer Spitzenlaststrom ließe sich so vermeiden. Stattdessen lässt sich der Stromverbrauch in gewissen Grenzen auf den Zeitraum verlagern, in dem er besonders günstig verfügbar ist – zum Beispiel in Starkwindzeiten. Treten weniger Verbrauchsspitzen auf, müssen seltener zusätzliche Kraftwerke hochgefahren werden. Das senkt die Strom-Erzeugungspreise und entlastet jeden einzelnen Verbraucher.

Notstrom für Spitzenlasten

Künftig könnten auch Krankenhäuser von dieser Entwicklung profitieren, indem sie ihre Notstromversorgung nicht nur bei Stromausfällen, sondern auch zu Spitzenlastzeiten einspringen lassen. „Erfahrungsgemäß werden die Notstrom-Aggregate selten gebraucht. Da lässt sich dann überlegen, ob nicht ein Teil dieser Anlagen für Spitzenstrom verwendet werden kann“, erklärt Herdan. Genug Energie für den Notstrombetrieb bliebe dabei trotzdem. Kommt es im Krankenhaus während einer Operation zum Stromausfall, schaltet sich das Aggregat selbständig wieder in den Notmodus. Der OP-Saal wäre so mit der benötigten Energie versorgt.

Doch bei allen Möglichkeiten, die diese intelligenten Lösungen bieten, gibt der Energieexperte Herdan zu bedenken, dass es sich um Nebenprozesse handelt. Das Kerngeschäft der Unternehmen besteht in der Regel nicht darin, Energie einzusparen. Der Aufbau notwendiger it-Komponenten kostet oftmals viel Geld und Zeit. Investitionen müssen sich aber nach zwei oder drei Jahren amortisieren, andernfalls werden sie nicht weiterverfolgt. Zusätzlich, meint Herdan, muss der Strompreis flexibler werden: „Deutschland ist noch sehr stark in der alten Energiewirtschaft verankert“. Digital Energie sparen bedeute mehr, als dass Geräte an- oder ausgeschaltet werden. Ein pauschaler Strompreis für Tag und Nacht reiche da nicht mehr aus. Vorgeschaltete Kapazitäten oder Standby-Modi würden nicht ausreichend berücksichtigt. „Solange es hierfür keine unterschiedlichen Tarife gibt, wird die Energieeffizienz auch weiterhin nicht so zügig vorankommen, wie sie eigentlich sollte“, ist sich der Experte sicher.

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