Smart Market

Mehr Markt wagen

Von Andrea von Gersdorff · 2013

Wie der Handel mit Strom die Energiewende künftig finanzieren soll.

Smart Market: wenn der Strom nicht jederzeit gleich viel kostet. Eine Steckdose
Auch in Zukunft kommt der Strom zwar aus der Steckdose, aber er kostet nicht mehr zu jeder Zeit gleich viel.

Ein Blick in die Zukunft an einem windigen Tag: Die Leute verbringen ihre Freizeit zu Hause. Viele schauen fern, lassen dabei die Waschmaschine laufen oder laden ihr Elektroauto auf, weil gerade der Strom günstig ist. In manchen Unternehmen springt jetzt erst die Produktion an, obwohl es Abend ist. Doch auch für sie lohnt sich die Spätschicht. Wann produziert wird, ist letztlich egal. Auch in Zukunft kommt der Strom zwar aus der Steckdose, aber er kostet nicht mehr zu jeder Zeit gleich viel. Der Preis orientiert sich an der Angebotsmenge. Smart Market heißt diese Idee des Wettbewerbs im Strommarkt, die derzeit in der Energiebranche diskutiert wird.Die Grundfrage ist dabei, wie die Energiewende und somit der Strompreis bezahlbar bleibt. Denn die volatile Strombereitstellung und Einspeisung in die Netze durch die erneuerbaren Energien hat Folgekosten: Der Ausbau des Stromnetzes ist nötig, um dessen Stabilität zu erhalten. Eingespeister Wind- oder Sonnenstrom wird vergütet, auch wenn er nicht gebraucht wird. Nicht ausgelastete konventionelle Kraftwerke rentieren sich für die Betreiber kaum noch. Da ist es nicht verwunderlich, wenn neue Wege der Finanzierung für technische Optionen der einzelnen Akteure gesucht werden. Die Chance für die Verbraucher: Auch sie sollen so letztlich von hohen Stromkosten entlastet werden.

Smart Market: Alle Erzeuger bieten Strom an

Smart Market setzt beim Nutzerverhalten an, das sich über Preisanreize steuern lässt. Wenn sich der Verbrauch an das Stromangebot anpasst und verlagert, wird auch das Netz entlastet. Das Netz als Smart Grid, das die Energiemengen dank moderner Mess- und Steuerungstechnik verteilt, behält sein natürliches Monopol, nur der Strom soll stärker zur Ware werden. Smart Market, so die Studie „Smart Grid und Smart Market“ der Bundesnetzagentur ist dann der Bereich außerhalb des Netzes, in welchem Energiemengen oder daraus abgeleitete Dienstleistungen unter verschiedenen Marktpartnern gehandelt werden. Diese unterschiedlichen Marktpartner sind neben den traditionellen Erzeugern und Verbrauchern erstmals auch die sogenannten Prosumer, also Unternehmen und Privatleute, die Erzeuger und Verbraucher in einem sind sowie Anbieter von Dienstleistungen beispielsweise für mehr Energieeffizienz. Langfristig kann dann vielleicht auf staatliche Vergütung der erneuerbaren Energien verzichtet werden, wenn alle marktgerecht am Strom verdienen. Gestärkt werden sollen daneben regionale Märkte, auf denen kleine Erzeuger, eben auch die Prosumer, ihren Strom anbieten können. „Wir sollten künftig mehr Markt wagen und den Netzen eine eher dienende Rolle zuweisen“, betonte Matthias Kurth, Präsident der Bundesnetzagentur, bei der Vorstellung der Studie im vergangenen Jahr. Dies erfordere zwar ein Umdenken in der Branche, verspreche aber innovative und effiziente Lösungen im Gesamtsystem.

Markt- oder Systemdesign

Die Branche ist dem Smart Market-Gedanken nicht grundsätzlich abgeneigt. Für den Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind Smart Markets trotz eigener Vorstellungen bei der Ausgestaltung grundsätzlich die Voraussetzung dafür, dass die Branche Produkte entwickeln kann, die den Endkunden anreizen, ihren Verbrauch an die Erzeugung auszurichten. Aber auch Betreiber dezentraler Erzeugungsanlagen kann Smart Market motivieren, bedarfsorientiert zu erzeugen. Damit, so der BDEW, leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Systemstabilität. Der Bundesverband der Erneuerbaren Energien (BEE) sieht es hingegen laut seiner Kompassstudie „Marktdesign“ eher geboten, „ein Systemdesign zu diskutieren, das die Finanzierung der benötigten Anlagen und sonstigen Optionen ermöglicht und gleichzeitig das Zusammenspiel der Segmente Stromgroßhandels- und Regelenergiemärkte sowie Kapazitäts-Mechanismen berücksichtigt.“ Zudem werden laut BEE für den Ausbau der erneuerbaren Energien weiterhin verlässliche und hinreichende Instrumente zur Refinanzierung benötigt. Und dabei habe sich das EEG als besonders effektiv und letztlich auch als gesamtwirtschaftlich effizient erwiesen, wenn es auch „systemdienlich“ weiterentwickelt werden müsse.

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