Fossile Brennstoffe als Back-up

​Ohne Kohle und Gas keine Energiewende

Von Arina Trofimova · 2015

 Ein rauchender Schornstein: Fossile Brennstoffe als Back-up für das Stromnetz erscheinen vielen als schlaue Strategie
Auch konventionelle Kraftwerke können heute viel klimaschonender sein.

Deutschland forciert den Umbau der Energieversorgung und setzt damit immer stärker auf erneuerbare – dafür aber auch volatile – Quellen. Ohne konventionelle Energieträger ist der Umstieg jedoch nicht möglich. Denn Strom aus Kohle- und Gas-Kraftwerken ist ständig verfügbar und hilft somit, die Last im Netz stabil zu halten.

Durchschnittlich drei Mal pro Tag musste der Netzbetreiber Tennet im vergangenen Jahr eingreifen, um das Stromnetz stabil zu halten. Zum Vergleich: Im Jahr 2003 waren zwei Sondereingriffe nötig – im gesamten Jahr. Ein Eingriff, das bedeutet etwa das Drosseln konventioneller Kraftwerke, wenn viel Ökostrom zur Verfügung steht. So soll eine Überlastung der Netze verhindert werden. Auch wird in diesen Zeiten Strom umgeleitet – auch ins Ausland. Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, muss Tennet aber auch konventionelle Gas- oder Kohlekraftwerke anwerfen, um für ausreichend Strom zu sorgen und die Last im Netz stabil zu halten. Denn klar ist: Ohne eine verlässliche Grundlast und die kostengünstige einheimische Braunkohle kann die Energiewende nicht gelingen. Solange die erneuerbaren Energien den Strombedarf nicht decken können und auch nicht ständig verfügbar sind, sind konventionelle Energieträger wie Kohle oder Gas unentbehrlich. Und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

Netz braucht fossile Brennstoffe als Back-up

Die Grundlast ist jene Menge Strom, die unabhängig von Schwankungen immer gebraucht wird. Bislang wird sie vor allem von Braunkohle-, Gas- und Atomkraftwerken geliefert. Doch letztere sollen bis 2022 komplett vom deutschen Strommarkt verschwinden. Dann müssen andere Energiequellen wie Kohle oder Gas als Back-up-Kapazitäten eine stabile Grundlast garantieren. Kraftwerksbetreiber setzen heute vor allem auf die reichlich vorhandene, billige Braunkohle und die noch bis 2018 subventionierte Steinkohle. Ineffiziente, alte, konstant zwischen einer Leistung von 60 bis 100 Prozent geregelte Kohlekraftwerke, erleben auf diese Weise ein unverhofftes Comeback. Das hat den unliebsamen Effekt, dass Schadstoff- und CO²-Emissionen mittlerweile wieder steigen. In den nächsten Jahren gehen zahlreiche neue Kohlekraftwerke mit 40 jährigen Laufzeiten ans Netz. Dank neuer Filter sind sie wesentlich sauberer als noch vor 30 Jahren. Doch selbst moderne, effiziente Kohlekraftwerke verteilen den im Kühlturm gefilterten Feinstaub und toxische Schwermetalle wie Quecksilber, Blei und Cadmium in einem Umkreis von 50 Kilometern.

Gas für die Grundlast

So droht Kohlestrom, einen Strich durch die globale Klimarechnung zu machen. Bruno Burger vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesystem ise hält Gaskraftwerke für die bessere Wahl. Auf Grund ihrer kurzen Anlaufzeiten und im Minutentakt möglicher Leistungsänderung zwischen 20 und 100 Prozent fungierten sie lange Zeit als verlässliche Spitzenlastwerke. Zudem sei Erdgas nur grob halb so klimaschädlich wie Kohle. Jedoch kommen sauberere Erdgasanlagen immer seltener ans Netz – sie rechnen sich nicht.

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